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Notfalldaten und Medikationsplan – die ersten medizinischen Anwendungen auf der elektronischen Gesundheitskarte werden in Westfalen erprobt

Gemeinsame Presseinformation von KVWL und CGM:
Dortmund, 14. März 2018. Die ersten medizinischen Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) werden ab Herbst 2018 in Westfalen-Lippe erprobt. Das erklärten Thomas Müller, Mitglied des Vorstands der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), und Frank Gotthardt, Vorsitzender des Vorstands der CompuGroup Medical SE (CGM), heute beim Gesundheitskongress des Westens in Köln. Bislang findet im Rahmen der sukzessiven Anbindung der Arztpraxen an die Telematikinfrastruktur nur ein Abgleich der Versichertenstammdaten der Patienten über die eGK statt.

„Um für noch mehr Akzeptanz der elektronischen Gesundheitskarte bei Ärzten und Patienten zu sorgen, ist es sehr wichtig, dass mit dem Notfalldatensatz und dem elektronischen Medikationsplan nun möglichst bald auch medizinische Applikationen über die Karte aufrufbar sind“, betonte KVWL-Vorstand Müller. „Wir in Westfalen wollen diese Entwicklung aktiv im Sinne der Ärzte und Psychotherapeuten beeinflussen und voranbringen, damit die Telematikinfrastruktur in Deutschland letztendlich bestmöglich funktioniert.“ Er sei froh, die erforderlichen Feldtests für die neuen Anwendungen im Rahmen der Kooperation in westfälischen Arztpraxen durchführen zu können, ergänzte CGM-Vorstand Gotthardt: „Wir brauchen kritische und zugleich aufgeschlossene Ärzte für die Erprobung, um etwaiges Verbesserungspotenzial identifizieren zu können.“ Zudem sei Westfalen-Lippe bekanntlich das Land der Praxisnetze, so Gotthardt – „und vernetzte Strukturen bieten sich insbesondere an, um die Interoperabilität der Karte zu testen“.

Die CompuGroup hat gerne die Anregung der KVWL aufgenommen und erprobt den Notfalldatensatz sowie den elektronischen Medikationsplan für die eGK in westfälischen Arztpraxen. An dem Feldtest werden gemäß den gematik-Vorgaben 70 bis 75 Arztpraxen, einige Zahnarztpraxen, bis zu 16 Apotheken, eine kassenärztliche Notfalldienstpraxis sowie ein Krankenhaus teilnehmen. Diese Akteure sollen über einen Zeitraum von acht Wochen 1.400 Notfalldatensätze und 2.100 Medikationspläne auf den elektronischen Gesundheitskarten der Versicherten speichern. Der Feldtest wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert, um Erkenntnisse zur Akzeptanz und Praxistauglichkeit der Anwendungen zu erhalten.

Der neue Notfalldatensatz auf der eGK umfasst Informationen aus der medizinischen Vorgeschichte des Patienten, die dem behandelnden Arzt sofort zugänglich sein müssen, um einen ungünstigen Krankheitsverlauf abzuwenden. Dazu zählen chronische Krankheiten, regel-mäßig eingenommene Medikamente, Allergien und Unverträglichkeiten. Der elektronische Medikationsplan ist eine Weiterentwicklung des bundeseinheitlichen Medikationsplans auf Papier. Auf diesen haben seit Oktober 2016 alle Patienten einen Anspruch, die mindestens drei verschiedene Medikamente dauerhaft einnehmen. Der elektronische Medikationsplan soll von weiterbehandelnden Ärzten und Apotheken ausgelesen und aktualisiert werden können.

„Wir sind stolz, exklusive Testregion für die ersten medizinischen Anwendungen auf der eGK zu sein“, betonte KVWL-Vorstand Müller. Im nächsten Schritt gehe es jetzt darum, geeignete Arztpraxen auszuwählen, in denen die Funktionalität und die Interoperabilität der neuen medizinischen Anwendungen auf der eGK unter realistischen Bedingungen im Praxisalltag getestet werden können. Der Start des achtwöchigen Feldtests sei für den Herbst 2018 terminiert. „Verläuft der Test erfolgreich – wovon wir ausgehen –, so werden Notfalldatensatz und eMedikationsplan anschließend sehr zeitnah bundesweit über Telematikinfrastruktur und die elektronische Gesundheitskarte abrufbar sein“, versprach der CGM-Vorstandsvorsitzende Gotthardt.